Internationale Kooperationen in Adlershof


Das Ost-West-KooperationsZentrum (OWZ) an der Rudower Chaussee ist weltweit fast einmalig
Beim kürzlichen Pressegespräch zu "10 Jahre IGZ Adlershof" (s. AZ Nr. 90) wurde unser Interesse am seit 1997 bestehenden Ost-West-KooperationsZen-trum (OWZ) an der Rudower Chaussee geweckt. Wir informierten uns bei Frau Dr. Lydia Dessau (Jg. 46), die dieser Einrichtung nicht nur vorsteht, sondern potentielle Interessenten und ihre Ideen auf Herz und Nieren prüft sowie die förderungsfähigen nach Kräften unterstützt.
Frau Dr. Dessau arbeitet seit fast 30 Jahren in Adlershof. Die gebürtige Russin war als Physikerin an der AdW tätig und kannte als vielsprachige Wissenschaftlerin verschiedenste Experten in osteuropäischen Ländern. Ab 1993 hat sie sich in Vorbereitung auf die Tätigkeit am OWZ intensiv mit EU-Recht befaßt und Wege durch den bundesdeutschen Behörden- und Paragraphendschungel gesucht und gefunden, eine unerläßliche Voraussetzung für das Erreichen der Ziele des OWZ. Das internationale Gründerzentrum soll einerseits den internationalen Austausch von wissenschaftlich-technischem Know-how und zum anderen unternehmerische Innovationskraft fördern. Kontakte werden über Senatsdienststellen, über das IGZ, im Internet oder auch vor Ort in den Ländern Mittel- und Ost-Europas hergestellt. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es weltweit nur noch in Kalifornien.
Das A und O einer Firmengründung ist die Vorbereitungsphase. Es gilt zu prüfen, ob es sich um ein innovatives Produkt, ein tragfähiges Geschäfts- und Finanzierungskonzept handelt, die Gründer die notwendigen fachlichen und persönlichen Kenntnisse (u.a. der deutschen Sprache) besitzen und wie die Marktchancen sind. Seit 1997 haben 53 Firmen aus 14 Ländern die geforderten Bedingungen erfüllt und nutzten moderne Büro- und Laborräume, eine zweckgerechte Infrastruktur, intensive Unterstützung bei Behördengängen (Aufenthalts-, Arbeitserlaubnis, Kontoeröffnung) und die Herstellung von Kontakten zu potentiellen Geschäftspartnern.
Dr. Dessau machte uns mit Ekaterina Kochueva (Jg. 74) und ihrem Bruder Nikolay (Jg. 68) bekannt, deren Firma COPRIS GmbH Technologie-Transfer zwischen Rußland und Deutschland betreibt. Ihre guten Deutschkenntnisse erwarben sie als ihr Vater Valery, ein Werkzeugmaschinenbau-Ingenieur, in der sowjetischen Handelsvertretung in der DDR tätig war. 1989/90 begann er einen Technikhandel mit einer deutschen Firma. Als die früher geheimen Ergebnisse russischer Weltraumforschung zur Verfügung standen, begann er den Technologie-Transfer vor allem auf dem Gebiet der Laser- und Medizintechnik. Tochter Ekaterina führt die Berliner Filiale im OWZ, Vater Valery ist in Moskau und der auf dem Gebiet der Telekommunikation spezialisierte Nikolay pendelt. Bisher gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Nachfolger der DVL) auf den Gebieten Biologie und Medizin. Drei Forschungsprojekte mit der Daimler-Chrysler AG konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Für andere Projekte der Telemedizin werden noch Partner gesucht. So wurde z.B. von COPRIS ein Gerät entwickelt (und in einem abgelegenen russischen Dorf getestet), mit dem man seinen Gesundheitszustand selbst feststellen kann und das - falls es erforderlich ist - die Aufforderung zum Arztbesuch mitteilt. Ein anderes Gerät ist primär für LKW-Fahrer gedacht. Es ermittelt u.a. seinen Wachheitsgrad und löst nötigenfalls ein Alarmsignal aus oder bringt das Fahrzeug zum Stehen. Interessante Projekte, die hoffentlich realisiert werden können!
Derartige internationale Kooperationen sind durchaus keine Einbahnstraße. Die neuen Unternehmen sind am deutschen Steueraufkommen beteiligt und können positive Effekte auf dem Berliner bzw. deutschen Arbeitsmarkt auslösen. Wir hoffen, daß die Arbeit des OWZ erfolgreich fortgeführt wird.
Wolf Will
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